Chancengleichheit

Im Erwerbsleben werden Sie mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Einige dieser Herausforderungen sind geschlechtsspezifisch. Je mehr Wissen Sie über diese spezifischen Herausforderungen haben, desto besser sind Sie in der Lage Ihr berufliches Umfeld selbst einzuschätzen und selbstbewusster aufzutreten.  

Chancengleichheit im Erwerbsleben bedeutet, dass Frauen und Männer keine Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts erfahren. Nach wie vor unterscheidet sich das Erwerbsleben von Frauen und Männern deutlich in der Lohnhöhe, Erwerbsquote, Beschäftigungsumfang, beruflicher Stellung, bevorzugter Branchen und Tätigkeiten. Umso wichtiger ist es, sich für den Berufseinstieg ein solides Grundwissen anzueignen. Es lohnt sich - auch finanziell.

Einen der umfassendsten Informationsbestände zum Thema Chancengleichheit finden Sie auf www.equality.ch - der Webseite der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten.

 

Im NFP 60-Synthesebericht finden Sie die Ergebnisse von 21 Forschungsgruppen zum Stand 2014 der Chancengleichheit in verschiedenen Tätigkeitsfeldern der Schweiz.
Synthesebericht (PDF, 1820 KB)

 

Erwerbsquote nach Alter

Bis zum 24. Lebensjahr gibt es keine signifikanten Unterschiede zwischen der Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern. Ab dem 25. Lebensjahr aber tritt die Erwerbsquote der Frauen hinter diejenige der Männer. Dies liegt zum einen in der Familiengründung und Kindererziehung und zum anderen daran, dass sich Frauen früher aus dem Erwerbsleben zurückziehen als Männer.
Mehr Informationen zur Erwebsquote nach Alter und Geschlecht finden Sie auf der Webseite des Bundesamtes für Statistik.

Erwerbsumfang nach Geschlecht

Bis heute ist die Teilzeitarbeit ein Merkmal der weiblichen Erwerbsarbeit. Zwar wollen immer mehr Männer im Teilzeitpensum arbeiten, zögern jedoch häufiger diesen Schritt effektiv auch zu machen. Eine Teilzeitbeschäftigung wird auch heute noch häufig als "Karriere-Killer" aufgefasst. Einerseits geht Teilzeitbeschäftigung häufiger einher mit ungesicherten Arbeitsverhältnissen, schlechterer sozialer Absicherung (z.B. bei der Pensionskasse) sowie geringerer Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen.

Aufteilung der Erwerbspensen bei Paarhaushalten mit Kindern 

Bei Paarhaushalten mit Kind(ern) ist die Erwerbsarbeit in fast jedem zweiten Stadtzürcher Paarhaushalt so aufgeteilt, dass der Vater Vollzeit und die Mutter Teilzeit erwerbstätig ist. Mit Kindern unter 12 Jahren arbeiten lediglich 13% der Frauen und 87% der Männer Vollzeit bzw. 64% der Frauen Teilzeit und 23% gar nicht, während 7% der Männer Teilzeit arbeiten und 6% gar nicht.

Männer mit kleineren Kindern sind überwiegend Vollzeit beschäftigt. Im Vergleich zur Gesamtschweiz ist der Anteil in der Stadt Zürich jedoch deutlich geringer. In der Stadt Zürich gibt es im gesamtschweizerischen Vergleich viele Väter mit kleinen Kindern, die teilzeit arbeiten oder nicht erwerbstätig sind.

Je mehr Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, desto mehr Mütter arbeiten Vollzeit. Gleichzeitig führen mehr Betreuungsplätze auch dazu, dass Männer ihre Arbeitspensen reduzieren, was auf die Entlastung von der finanziellen Verantwortung zurückgeführt werden kann. Die potentielle Reduktion der Vollzeiterwerbstätigkeit von Vätern entspricht ungefähr dem potentiellen Anstieg der Vollzeitarbeit der Mütter.


Alleinerziehende Eltern

Alleinerziehende Frauen und Männer in der Stadt Zürich sind mehrheitlich erwerbstätig: Mehr als die Hälfte der Frauen sind 50% und mehr erwerbstätig. Bei den Männern wird ersichtlich, dass diese mehrheitlich Vollzeit arbeiten, der Anteil der Vollzeitarbeitenden steigt, wenn die Kinder im schulpflichtigen Alter sind.

Familienexterne Betreuungsangebote

Familienexterne Betreuungsangebote führen zu einer Angleichung der Erwerbsarbeitszeit und Erhöhung der Wahlmöglichkeiten beider Geschlechter.

Die Angleichung der Arbeitspensen entlastet Männer und erhöht die Karrierechancen der Frauen. Im internationalen Vergleich weist die Schweiz massiv weniger familienergänzende Betreuungsmöglichkeiten auf, die finanziell tragbar sind. Ein bezahlbares Betreuungsangebot führt dazu, dass Paare die familiäre Arbeitsteilung eher in Form partnerschaftlicher Erwerbs- und Betreuungsmodelle realisieren.

Die ungleiche Verteilung von Erwerbsarbeit und Haus- und Familienarbeit ist zurückzuführen auf traditionelles Geschlechterrollenverhalten, das durch knappe familienexterne Betreuungsangebote und Lohndiskriminierung verstärkt wird. In der klassischen Rollenverteilung generieren Frauen weniger Berufserfahrung, weniger Lohn und weniger Rente.

Individuelle Lebensentwürfe

Eigentlich sind Männer und Frauen gar nicht so unterschiedlich. Der Ursprung der Verhaltensunterschiede resultiert aus der Beobachtung der Geschlechter in ihrer jeweiligen sozialen Rolle. Die sozialen Rollen befinden sich jedoch im Wandel: Das heisst, in einer Vielzahl individueller Lebensentwürfe kommen traditionelle Rollen auch heute noch zu tragen, andererseits sind sie häufig auch nicht mehr anzutreffen. 

Soziale Rolle

Im Verlauf der Zivilisationsgeschichte führten Beschäftigungen die Muskelkraft voraussetzten zu einer Arbeitsteilung aufgrund physischer Attribute. Daraus entstanden Geschlechterhierarchien in der Gesellschaft, die Frauen in der Rolle des "Homemakers" und Männer in der Rolle des "Providers" festschrieben. Durch den technologischen Wandel und der wachsenden Dienstleistungsbranche entstanden zunehmend Beschäftigungen, die mehr Köpfchen als Muskeln erfordern.

Stereotype Rollenbilder halten sich jedoch hartnäckig in den Köpfen der Menschen und hinken der Realität unserer zeitgenössischen Arbeitswelt und Gesellschaft hinterher. Nach wie vor werden Frauen aufgrund ihres Geschlechts zu Unrecht als weniger geeignet für Führungspositionen eingestuft als Männer - auch wenn sie es sind!

Geschlechterrolle

Frauen und Männer werden aufgrund ihres Geschlechts mit gesellschaftlich geteilten Verhaltenserwartungen konfrontiert, die angemessene Verhaltensweisen für Frauen und Männer implizieren. In Sozialisationsprozessen erwerben sie rollenbezogene Fähigkeiten und Fertigkeiten bzw. Eigenschaften, die für geschlechterspezifische Verhaltensweisen notwendig sind. Geschlechterspezifische Verhaltensweisen werden schliesslich stereotyp für das jeweilige Geschlecht, weil Geschlechterrollen das soziale Verhalten beinflussen bzw. weil Menschen Geschlechternormen und -stereotype in ihr Selbstkonzept integrieren und dementsprechend agieren und entscheiden.

Geschlechterstereotype

Geschlechterstereotype sind geteilte Annahmen über die psychologischen Eigenschaften von Männern und Frauen, die in geschlechtstypischen Aktivitäten von Vorteil sind. Sie beeinflussen das Verhalten sowohl intrinsisch, als auch regulativ von aussen (z.B. durch Missbilligungen und gesellschaftliche Sanktionen). Die maskuline Konstruktion von Führungsstereotypen bewirkt, z. B. dass Frauen für Führungspositionen vergleichsweise weniger geeignet erscheinen, auch wenn sie es sind! Die Wahrnehmung einer mangelnden Passung zwischen der weiblichen Geschlechterrolle und Führungsrollen führt zu verschiedenen Vorurteilen, die gemeinsam dazu beitragen, dass Frauen nur geringe Chancen haben, in Führungspositionen aufzusteigen, durchschnittlich weniger Lohn erhalten und später befördert werden

Frauen in Führungspositionen

Obwohl sich Frauen und Männer führungsrelevanten Persönlichkeitsmerkmalen nur geringfügig unterscheiden, sind Frauen in Führungs- und Entscheidungspositionen unterrepräsentiert und von überdurchschnittlichen Lohnunterschieden betroffen. In ihrem TED TALK geht Sheryl Sandberg der Frage nach, warum es Frauen schwerer in Top-Positionen schaffen und thematisiert innere und äussere Barrieren, die dazu beitragen den Aufstieg zu erschweren.