Überzeugend auftreten

Kleider machen Businessleute

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, stellte der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick fest. Denn sobald sich zwei Personen gegenseitig wahrnehmen, tauschen sie Informationen miteinander aus. Mit hastigen Worten im Treppenhaus, mit neugierigen Blicken im Bus oder mit ungepflegten Schuhen beim Vorstellungsgespräch. Was nach einer Begegnung in der Erinnerung hängen bleibt, sind gemäss verschiedener Studien die nonverbalen Eindrücke wie die Körpersprache, das Verhalten und das Äussere eines Gegenüber. Zum Beispiel die neue, teure Uhr der Chefin. Was sie über ihr Projekt erzählt hat, weiss hingegen spätestens nach der übernächsten Sitzung niemand mehr.

Feilen Sie nicht nur an Ihrer Powerpoint-Präsentation, sondern denken Sie auch über Ihren Auftritt nach.

Überlegung 1: Was für eine Wirkung will ich erzielen?

Ungepflegte Haare, ein knalliger Lippenstift oder zu kurze Jackenärmel erzählen viel über eine Person. Denn ganz schnell wird einem Liederlichkeit, Narzissmus oder fehlende Grösse unterstellt. Das menschliche Unterbewusstsein stellt Verbindungen zu Bildern her – und schafft Vorurteile. Stellen Sie sich daher unbedingt einmal in einem ruhigen Moment folgende Fragen:

  • Wer bin ich eigentlich - und wie will ich wahrgenommen werden?
  • Gehöre ich zu den Alpha-Tieren und darf kein Blick an mir vorbeiführen?
  • Oder ist es mir als Nummer Zwei wohler, und ich bleibe lieber im Hintergrund.


Jede Position ist legitim - werden Sie sich einfach klar darüber, wie Sie wahrgenommen werden möchten.

Überlegung 2: Wie setzt sich Ihre Wunsch-Vorstellung zusammen?

Angenommen, Sie sehen sich im diplomatischen Dienst. Dann ist es wichtig, sich auch optisch auf Augenhöhe mit den verschiedenen Vis-à-vis einzufinden. In einer ordentlichen aber einfacheren Kleidung vor den Bürgern, abends im guten Anzug in der Elefantenrunde im Fernsehstudio. Und genauso verhält es sich im Bildungswesen, im Dienstleistungssektor, den Handwerkbetrieben und dem Bankgeschäft. Jede Gruppe hat ihre Sprache, ihre Symbole, kurzum ihren Dresscode, der verschlüsselte Informationen enthält. Studieren Sie diesen Codex, übersetzen Sie die Sprache und beantworten Sie die folgenden Fragen:

  • Wer wird mein Gegenüber sein, wie funktioniert diese Person und wie sieht sie aus?
  • Was zieht diese Person an - und was Ihr*e Vorgesetzte*r?
  • Welche Stilrichtung ist angebracht, welche Muster, Farben und Materialien passen?
  • Welchen Stellenwert haben Statussymbole?
  • Wie sehen die Haare, Frisur, Haut, Make-up und Rasuren in dieser Welt aus?
  • Was wird wohl von mir darin erwartet – und wo habe ich Freiräume?

Und last but not least: Wie passe ich in diesen Dresscode, ohne mich darin zu verlieren?

Überlegung 3: Wie sieht mein Konzept aus, was habe ich, was brauche ich?

Das Rezept für eine gute Garderobe heisst nicht Quantität sondern Basics. Ein paar gute, wertige Stücke, die tadellos aussehen, farblich passen, aufeinander abgestimmt sind und sich mithin gut kombinieren lassen. Ein Kleid, Rock, Hosen, Blusen, Hemden, Pullover, Strümpfe, Socken, Jacken und Mantel. Plus Schuhe, Gürtel, Taschen, Foulard und Schal, Schmuck und Uhr. Richtig sind die Basisteile, die zu Ihnen passen und die richtige Antwort sind auf die Fragen:

  • Was lässt mich gut aussehen?
  • Welche Kleidung gibt meiner Persönlichkeit einen optimalen Rahmen?
  • Was betont meine Haltung und die Vorteile meiner Figur?
  • Was ist zu welcher Tageszeit angemessen – und was nicht?
  • Was muss in meiner Garderobe instand gestellt werden und was gehört ersetzt?

Wenn Sie wissen, was Sie an Basisteilen benötigen, dann schauen Sie bitte zuerst in Ihren Schrank. Misten Sie ihn wenn nötig aus und verschaffen Sie sich ein Bild über Ihre Ausgangssituation: „Was habe ich an guten Teilen, die diese Kriterien erfüllen – und was fehlt mir. Was ziehe ich noch an und was nicht mehr.“ Dann machen Sie sich Ihren Einkaufszettel und besorgen Sie nur, was noch fehlt.

Mit einer guten Basisgarderobe sparen Sie Zeit beim täglichen Anziehen und Geld beim Einkaufen.

Das eigene Erscheinungsbild und das persönliche Image sind das universellste Kommunikationsmittel der Menschheit. Und damit ein enorm starkes und dennoch oft vernachlässigtes Selbstmarketing-Instrument. Seien Sie sich Ihrer Wirkung bewusst und lassen Sie diese für sich arbeiten. Denn Ihr Image redet schon über Sie, bevor Sie Ihr Gegenüber begrüsst haben.

„Ziehen Sie sich nicht an für den Job, den Sie haben. Sondern für den, den Sie haben wollen!“ (Giorgio Armani)

Literatur zum Thema

Der Dresscode. Fragen des Stils. Antworten des guten Geschmacks
Clifford Lilley/Jeroen van Rooijen