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Berufseinstieg mit Behinderung

Behinderungen haben viele Gesichter. 1,7 Millionen Menschen zwischen 15-65 Jahren leben in der Schweiz mit Behinderungen (Eurostat 2023). Oft denken wir an Menschen, die einen Rollstuhl benutzen. Fakt ist, dass ein Grossteil der Behinderungen nicht sichtbar ist. Auch chronische Erkrankungen (wie z.B. Diabetes, chronisch entzündliche Erkrankungen), psychische Erkrankungen oder Autismus zählen dazu. Die UN-Behindertenrechtskonvention spricht von Behinderungen, wenn Menschen an der vollen gesellschaftlichen Teilhabe gehindert werden. Hindernisse können fehlende Rampen, aber genauso schlecht lesbare Schrift oder eine zu laute Arbeitsumgebung sein.

Menschen mit Behinderungen sind am Arbeitsmarkt in grosser Zahl vertreten, auch wenn nicht immer erkennbar ist, dass jemand eine Behinderung hat. Unternehmen beginnen gerade erst dieses gross     e Potential an Fachkräften zu erkennen. Talente mit Behinderungen begegnen am Arbeitsmarkt immer noch zahlreichen Hürden und Vorurteilen. Es ist wichtig, sich dieser bewusst zu werden, um sie entkräften zu können.

 

Berufseinstieg und Bewerbung mit Behinderung: Tipps für deinen Weg

Der Einstieg ins Berufsleben ist ein grosser Schritt und er kann mit Unsicherheiten verbunden sein. Für Studierende, Doktorierende, Postdocs und neue Absolvent:innen mit Behinderungen oder chronischer Erkrankung gibt es oft zusätzliche Fragen: wie gehe ich mit dem Thema Behinderung im Bewerbungsprozess um? Wie kann ich mich sicher präsentieren?

 

1. Konzentriere dich auf deine Stärken und Fähigkeiten

Deine persönlichen Kompetenzen und Erfahrungen stehen im Mittelpunkt – nicht deine Diagnose. Überlege dir vor einer Bewerbung, was du besonders gut kannst und welche Erfolge du bereits erzielt hast. Diese Fragen helfen dir bei der Vorbereitung:


• Welche Erfolge aus Studium, Praktika oder Nebenjobs kann ich konkret benennen?
• Welche Fähigkeiten bringe ich mit, die wirklich zählen?
• Wie habe ich Herausforderungen bereits gemeistert?

Erfahrungen und konkrete Beispiele sind besonders im Vorstellungsgespräch wichtig. Wenn du dich mit deinem Profil konkret auseinandersetzen möchtest, schaue die Informationen zur Standortbestimmung an.

 

2. Du entscheidest, ob und wann du über deine Behinderung sprichst

Es ist deine Entscheidung, ob und wann du deine Behinderung oder chronische Erkrankung im Bewerbungsprozess ansprechen möchtest. Du bist dazu nicht verpflichtet. Eine Offenlegung bei unsichtbaren Behinderungen ist meist Vertrauenssache. Deine Entscheidung darf davon abhängen, ob du dich im Gespräch wohlfühlst und das Unternehmen inklusiv erscheint.

Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, bestimmte Bedürfnisse zu erwähnen, wenn sie für die Tätigkeit oder den Prozess relevant sind, zum Beispiel:

  • barrierefreier Arbeitsort
  • Assistenz oder technische Hilfsmittel
  • flexible Arbeitszeiten oder Pausenregelungen

Wenn du darüber sprichst, hilft eine sachliche und lösungsorientierte Formulierung. Im Vordergrund steht: Was brauchst du, damit du gut arbeiten kannst?

Arbeitgebende haben selten Wissen über Behinderungsformen und können falsche Erwartungen mitbringen. Du bist Expert:in für deine Bedürfnisse. Erkläre sachlich, was du dir zutraust und welche Lösungen dir in der Vergangenheit geholfen haben.

 

3. Hol dir Unterstützung und nutze Beratungsangebote

Du musst nicht alles alleine schaffen. Die UZH Career Services, die Fachstelle Studium und Behinderung an der UZH sowie ausseruniversitäre spezialisierte Beratungsstellen können dir helfen, zum Beispiel bei:

  • der Erklärung von Lücken im Lebenslauf
  • der Vorbereitung auf Gespräche und Assessment-Formate
  • der Klärung, wie du Bedürfnisse und Rahmenbedingungen gut ansprichst

Oft steigert allein die gute Vorbereitung das Selbstvertrauen spürbar. Gerade, wenn du deine Behinderungen noch nicht häufig besprochen hast, solltest du zuerst Klarheit über deine Anforderungen haben.

 

4. Such gezielt nach Unternehmen, die Inklusion schätzen

Auf Portalen wie enableme.myAbility.jobs suchen Unternehmen ausdrücklich Bewerber:innen mit Behinderungen – hier kann eine Erwähnung der Behinderung im Anschreiben sogar ein Vorteil sein.

Einige andere Signale, die zeigen, dass ein Unternehmen Inklusion ernst nimmt:

  • Auf der Karriereseite gibt es einen Bereich für Diversity & Inclusion oder Barrierefreiheit
  • Stellenanzeigen enthalten einen Absatz, der Menschen mit Behinderungen direkt zur Bewerbung einlädt
  • Das Unternehmen hat Preise für Vielfalt gewonnen, oder engagiert sich sichtbar für Inklusion

Nutze Angebote dieser Unternehmen für Menschen mit Behinderungen, beispielsweise ein Gespräch mit Verantwortlichen für Inklusionsfragen oder alternative Rahmenbedingungen für Interviews. Chancengerechtigkeit bedeutet, dass Nachteile im Prozess ausgeglichen werden: das ist kein Extra, sondern dein Recht!

5. Arbeite an einem Karrierenetzwerk

Persönliche Kontakte helfen dabei, mehr über Karrierechancen wie z.B. Praktika zu erfahren und diese rascher nutzen zu können. Mentoring- oder Karriereprogramme, Karrieremessen und Vernetzungsanlässe mit Arbeitgeber:innen sind hilfreich, aber nicht immer für alle barrierefrei zugänglich. Gerne kannst du mit berufserfahrenen aus deinem Studiengang direkt Kontakt aufnehmen (z.B. über Linkedin) und in einem persönlichen Gespräch erfahren, auf was du bei deinen Bewerbungen achten kannst (erfahre hier mehr zum sogenannten informellen Interview) Probiere ausserdem Angebote aus, die sich direkt an Menschen mit Behinderungen richten. Dort kannst du Sicherheit gewinnen, ohne auf Hürden achten zu müssen.

 

Der Einstieg in das Berufsleben braucht gute Vorbereitung. Finde heraus, wo deine Stärken liegen und welche Anforderungen du an deinen zukünftigen Arbeitsplatz hast. Überlege, ob du deine Behinderung ansprechen möchtest, und hole dir bei der Entscheidung und Vorbereitung Hilfe. Suche gezielt nach inklusiven Arbeitgeber:innen, die Vielfalt als Mehrwert schätzen. Du musst nicht alles alleine schaffen: arbeite daran, Kontakte für dein berufliches Netzwerk zu knüpfen.

 

Dieser Beitrag wurde von myAbility und EnableMe verfasst. Sie betreiben die Jobbörse myAbility.jobs, die sich an Menschen mit Behinderungen richtet. Auf Enableme.ch findest du zahlreiche Informationen rund um das Leben mit Behinderungen sowie Angebote, die dir helfen, selbstbestimmt den Alltag zu meistern.