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Motivationsschreiben

Mit dem Motivationsschreiben (bzw. Anschreiben) erläuterst du kurz und präzise deine Motivation, deine Qualifikationen, und deinen Mehrwert für die Stelle und den Arbeitgeber. Es soll ein klares, professionelles Bild von dir vermitteln, Interesse wecken und zu deinem CV passen, ohne diesen zu wiederholen. Im Unterschied zum Lebenslauf ist das Motivationsschreiben persönlicher formuliert und geht stärker auf deine Beweggründe, deine Passung und deine Ziele ein. Nutze die Gelegenheit, deine Motivation konkret zu zeigen, statt allgemeine Floskeln zu verwenden. Verzichte auf überflüssige Einleitungen wie «hiermit bewerbe ich mich…» oder «ich habe die Stelle auf Ihrer Webseite gefunden…» und formuliere jeden Satz so prägnant und relevant wie möglich.

Zentrale Punkte zur Form

  • Länge: maximal eine Seite (bei Online-Formularen gelten die jeweiligen Zeichen- oder Feldvorgaben)
  • Perspektive: Ich‑Form
  • klare, gut lesbare Gestaltung: Layout, Struktur, Schriftgrösse parallel zum CV
  • Rechtschreibung und Grammatik: lass den Text gegenlesen.

Zentrale Punkte zum Inhalt

  • Positioniere dein Profil: Zeige, wie du zur Stelle passt und bleib dabei authentisch, ehrlich und realistisch.
  • Relevanz: Stelle immer den Bezug zur konkreten Stelle und zum Arbeitgeber her.
  • Wiederhole den CV nicht, sondern vertiefe und illustriere ausgewählte Punkte mit Beispielen.
  • Verwende kein Standardschreiben für jede Bewerbung, sondern passe deinen Text an Stelle, Arbeitgeber und Branche an.
  • Übersetze akademische Erfahrungen in Kompetenzen und Ergebnisse, die für den Arbeitgeber relevant sind (z.B. Projektmanagement, Datenanalyse, Stakeholder-Kommunikation).
  • Verwende aktive, konkrete und positive Formulierungen (Fakten und Beispiele statt Werturteile).
  • Wenn du KI‑Tools zur Unterstützung nutzt, prüfe den Text kritisch, passe ihn sprachlich an dich an und ergänze eigene Beispiele. Dein Schreibstil soll persönlich und glaubwürdig bleiben.

Fokus Struktur: Struktur: YOU – ME – WE – Abschluss

Gliedere dein Motivationsschreiben in Abschnitte, damit es klar und gut lesbar ist. Das folgende Modell hilft dir dabei:

YOU: Einstieg und Bezug zur Stelle

  • Ziel: Zeigen, warum dich genau diese Stelle und dieser Arbeitgeber interessieren
  • Beschreibe, was dich an den Aufgaben, dem Umfeld oder den Werten des Arbeitgebers anspricht.
  • Erkläre konkret, warum dich diese Tätigkeit motiviert, nicht nur, dass du begeistert bist, sondern wodurch genau.
  • Beispiel-Fragen zur Orientierung: Was fällt dir im Stelleninserat besonders auf? Welche Aspekte der Unternehmenskultur oder der Projekte passen zu dir?
  • Vermeide: Standardsätze/Marketing- oder Werbeslogans von Webseiten des Arbeitgebers

ME: Wer bin ich und was bringe ich mit?

  • Ziel: Dein Profil skizzieren und deine Passung belegen.
  • Beschreibe kurz deinen fachlichen Hintergrund und relevante Erfahrungen, ergänzend zum CV.
  • Hebe 2-4 Kompetenzen hervor, die besonders gut zur Stelle passen (z.B. analytisches Arbeiten, Projektkoordination, Kommunikation, Teamarbeit).
  • Belege deine Aussagen mit konkreten Beispielen aus Studium, Projekten, Praktika, Arbeit oder Engagement (z.B. Verein, Ehrenamt).
  • Vermeide: 1:1‑Wiederholung des CV, Behauptungen (statt «Ich bin organisiert» besser: «In Projekt X habe ich … koordiniert und dadurch … erreicht.»»

WE: Warum ich? Warum wir?

  • Ziel: Erklären, warum du gut zur Rolle passt und welchen Mehrwert du bringst.
  • Verknüpfe deine Motivation mit deinen Kompetenzen und den Anforderungen der Stelle.
  • Zeige, was du mit dieser Stelle erreichen möchtest (z.B. welche Themen du vertiefen, welche Verantwortung du übernehmen willst).
  • Formuliere, welchen spezifischen Beitrag du leisten kannst (z.B. frische Perspektive, spezifisches Fachwissen, Erfahrung in einem bestimmten Kontext).
  • Beispielfragen zur Orientierung: Warum bist du die passende Person für diese Position? Was unterscheidet dich von anderen Bewerbenden? Wie möchtest du gemeinsam mit dem Team/Arbeitgeber wirken?

Abschluss: Ausblick und nächste Schritte

  • Formuliere einen selbstbewussten, freundlichen Ausblick, z.B. dass du dich auf ein Gespräch freust, in dem du deine Motivation und Fragen vertiefen kannst.
  • Vermeide: zu vorsichtige Formulierungen im Konjunktiv («würde mich freuen, wenn…»); formuliere klar und positiv.

Fokus Form und Layout: klassisches Dokument vs. Online-Formular

Je nach Bewerbungsprozess kann dein Motivationsschreiben als PDF hochgeladen, direkt in ein Textfeld eines Online-Formulars eingefügt oder auch in anderer Form verlangt werden . Passe die Form entsprechend an:

  1. Wenn du ein PDF‑Dokument erstellst, kann das Motivationsschreiben wie ein Brief aufgebaut sein:
  • Kopfzeile: dein Name und Kontaktdaten, idealerweise im gleichen Stil wie im CV
  • Links darunter (mit etwas Abstand): Name und (optional) vollständige Anschrift des Arbeitgebers / der Ansprechperson
  • Betreffzeile: «Bewerbung als …» (ohne das Wort «Betreff»)
  • Ort und Datum (links oder rechts)
  • Anrede: finde möglichst du die konkrete Ansprechperson(en) heraus (z.B. «Sehr geehrte Frau …», «Sehr geehrter Herr …», «Sehr geehrte Damen und Herren»)
  • Fliesstext, idealerweise in 3–4 Abschnitten
  • Schlussformel (z.B. «Freundliche Grüsse»).
  • digitale oder eingescannt handschriftliche Unterschrift.
  • Vollständiger Name (getippt).

Du erstellst ein eigenständiges Dokument (oft im selben Design wie der CV), das du im Bewerbungsportal hochlädst oder per Mail anhängst. Das ist typisch, wenn im Inserat explizit ein „Motivationsschreiben“ oder „Anschreiben“ verlangt wird oder wenn du eine vollständige Bewerbungsmappe per PDF einreichst.

2. Wenn du ein Online-Formular nutzt

Viele Unternehmen verwenden Bewerbungsplattformen, in denen du deinen Text direkt in ein Freitextfeld einfügst oder spezifische Motivationsfragen beantwortest (z.B. «Warum möchten Sie bei uns arbeiten?»). In diesem Fall:

  • Kannst du auf formale Elemente wie Adresse, Ort/Datum und Unterschrift verzichten.
  • Orientierst du dich inhaltlich weiterhin an der Struktur siehe unten (YOU/ME/WE), nur ohne «Brief‑Hülle»

    3. Kurz-Motivation / Pitch (z.B. 3–5 Sätze)

In einigen Portalen oder bei „Easy Apply“ auf Plattformen wie LinkedIn wird nur eine sehr kurze Begründung erwartet. Du fokussierst dich dann auf einen prägnanten Einstieg (YOU), 1-2 Kernkompetenzen (ME) und einen Satz zu deinem Mehrwert (WE).

4. Motivation in anderen Formaten

In modernen Prozessen kann deine Motivation auch über Video-Statements, Fragenkataloge oder dein LinkedIn-Profil transportiert werden. Inhaltlich gelten ähnliche Prinzipien (konkret, kurz, stellenbezogen), formal sieht es aber anders aus.

Fokus Sprache und Ton

  • Im Motivationsschreiben selbst ist die formelle Sie‑Anrede nach wie vor Standard, auch wenn das Unternehmen dich im Inserat duzt.
  • Achte auf eine professionelle, respektvolle und zugleich authentische Sprache.
  • Halte den Ton positiv und lösungsorientiert; vermeide Rechtfertigungen oder negative Kommentare über frühere Arbeitgeber.
  • Passe deinen Stil an Branche und Arbeitgeber an (z.B. etwas lockerer im Start‑up‑Umfeld, formeller in Verwaltung oder klassischen Konzernen).

Entscheidung: Motivationsschreiben, ja oder nein?

Oft lassen Stellenanzeigen offen, ob ein zusätzliches Motivationsschreiben nötig ist. Für deine Entscheidung sollen dir folgende Kriterien helfen:

  1. Eher JA: Motivationsschreiben verfassen, wenn…
  • die Stelle besonders attraktiv oder kompetitiv ist (viele Bewerbungen zu erwarten)
  • das Unternehmen auf Kultur, Werte oder „Purpose“ grossen Wert legt
  • deine Bewerbung tendenziell erklärungsbedürftig ist (Quereinstieg, Wechsel von Wissenschaft in Wirtschaft etc.)
  • dein Profil auf den ersten Blick nicht 100% „klassisch passend“ wirkt, du aber gute Argumente für deine Passung hast
  • du relevante Motivation/Erfahrungen hast, die im CV so nicht sichtbar werden
  • sprachliche Kompetenzen für die Stelle wichtig sind

    2. Eher NEIN: kein zusätzliches Motivationsschreiben, wenn…
  • das Inserat klar nur CV und Zeugnisse verlangt und das Bewerbungsportal gar keinen Platz für ein Anschreiben vorsieht
  • der Prozess stark standardisiert ist (z.B. Online-Assessments, Formular mit mehreren Motivationsfragen); dort beantwortest du lieber diese Fragen gut, statt ein separates Dokument anzuhängen
  • du dich für sehr operative Kurzfrist-Einsätze bewirbst, bei denen ein kurzes Statement im Mail oder Formular ausreicht (z.B. Studierendenjobs mit hohem Durchlauf)

Weiterführende Informationen

+++ Wichtige Anmerkung 1 +++

Das Motivationsschreiben heisst so, weil du hier deine Motivation für die Stelle sichtbar machen sollst. Hebe hervor, weshalb du diese Stelle mehr willst als alle anderen Bewerbenden.

*** Wichtige Anmerkung 2 ***

Das Motivationsschreiben kann auch so heissen, weil es den/die Leser:in dazu motivieren soll, dich näher kennen zu lernen. (vgl. Pioch, Trojanized, S. 91ff)

Finde die passende Veranstaltung zu diesem Thema:

Inspiration

Als Inspiration findest du hier die Kolumne von Rolf Murbach "Motivation auf den Punkt gebracht"